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Überwinterungsstrategien der Tierwelt

Der Winter ist die Zeit der Handschuhe, dicken Jacken und warmen Wohnzimmer. Auch unsere heimischen Wildtiere versuchen diese kalte Zeit mit verschiedenen Tricks und Strategien bestmöglich zu überstehen.

Winterschlaf

Der Winterschlaf gehört zu den bekanntesten Überwinterungsstrategien. Die Tiere setzen dabei alle Lebensfunktionen stark herab und sparen so große Mengen an Energie. Den Impuls zum Schlafen geben dabei nicht die herbstlichen Temperaturen oder Nahrungsmangel. Stattdessen sind der Jahresrhythmus der „inneren Uhr“, hormonelle Umstellungen und die Tageslänge entscheidend. Letztere beeinflusst auch die Bildung von Fettdepots, welche wiederum die Schlafbereitschaft fördern.
Dabei ist auch der Winterschlaf selten durchgängig, sondern von minimalen Wachphasen unterbrochen, in denen die Tiere aktiv sind. Sie geben Kot und Urin ab oder wechseln den Schlafplatz.

Igel schlafen von November bis April, wobei regionale Unterschiede vorkommen. Ihren Stoffwechsel sinkt dabei auf ein bis zwei Prozent des normalen Grundumsatzes, wobei lebenswichtige Organe und Sinnesorgane auch bei Kälte funktionieren. Sie atmen dann lediglich ein bis zwei Mal pro Minute, der Herzschlag sinkt von 200 auf fünf Mal pro Minute. Dadurch verbraucht ein Igel während zehn Tagen Winterschlaf die Energie von ungefähr einem Tag bei Normaltemperatur.

Murmeltiere halten sozialen Winterschlaf. In ihren unterirdischen Höhlen verbringen sie sechs Monate eng aneinander gekuschelt in einem Bett aus zusammengetragenem Gras. In dem Bau, der bis zu 20 Tieren Platz bieten, herrschen dann fünf bis zehn Grad Celsius. Dies steigert besonders die Überlebenschancen der Jungen, deren Sterblichkeit im ersten Winter wegen geringer Reserven und höherem Wärmeverlust am größten ist.

Fledermäuse legen wie viele Winterschläfer im Herbst deutlich an Gewicht zu. Kommt der Winter, ziehen sie sich in Höhlen und Verstecke mit ein bis zwei Grad Celsius zurück. Hier verbringen sie die nächsten Monate, in Spalten versteckt oder auch kopfunter an der Decke hängend. Problematisch: Störungen können zum ungeplanten, energiezehrenden Aufwachen führen. Schlimmstenfalls reichen die Reserven dann nicht mehr bis zum nächsten Frühjahr. Deshalb sollten Winterschläfer unter keinen Umständen gestört werden.


Winterruhe

Weniger tief als der Winterschlaf ist die Winterruhe. Auch dabei wird der Stoffwechsel herabgesetzt, die Körperfunktionen ähneln aber dem Normalzustand und die Körpertemperatur bleibt unverändert. Dadurch ist die Winterruhe weniger energiesparend und ruhende müssen regelmäßig aufwachen, um ihre Energiereserven aufzufüllen. Neben Dachs, Waschbär und Braunbär, ist besonders das Eichhörnchen für seine Winterruhe bekannt. In Vorbereitung auf den Winter, legt es in den warmen Monaten zahlreiche Verstecke mit Nahrungsvorräten an. Diese sind bis zu 30 Zentimeter in die Erde eingegraben und leisten (von Eichhörnchen unbeabsichtigt) einen Beitrag zur Verbreitung verschiedener Baumarten.


Winterstarre

Die Winterstarre tritt vor allem bei vielen wechselwarmen Tieren auf, deren Körpertemperatur abhängig von der Umgebung ist. Sinkt die Außentemperatur unter einen speziellen Wert, kommt es im Tierkörper zu hormonellen Veränderungen. Muskelarbeit sowie Stoffwechsel stoppen; Atmung, Herzschlag und der Energiebedarf sinken drastisch. Im Gegensatz zur Winterruhe und zum Winterschlaf der gleichwarmen Tiere wird die Winterstarre dabei ausschließlich von der sinkenden Temperatur ausgelöst. Die Tageslichtlänge spielt keine Rolle.

Wichtig: auch erstarrte Tiere sind nicht vor jeder Kälte gefeit. Sinkt die Temperatur unter einen kritischen Wert, tritt der Kältetod ein. Deshalb suchen Tiere, die in Winterstarre fallen, möglichst frostgeschützte Plätze zur Überwinterung auf.

Bekannte Vertreter für die Überwinterung durch Winterstarre sind Laubfrösche und Zauneidechsen. Beide verbringen regungslos bis zu sechs Monate in frostfreien Bodenlöchern, Schotterhaufen oder Gesteinsspalten.


Winterliche Aktivität

Doch nicht jedes Tier ruht den Winter über. Da in unseren Breiten normalerweise nur die oberen Bodenschichten gefrieren, herrscht unter unseren Füßen auch im Winter bisweilen geschäftiges Treiben. Regenwürmer bauen tiefgelegene Nester und auch der Maulwurf ist während der kalten Monaten tief im Erdreich auf Nahrungssuche. Winterschlaf hält er ähnlich wenig wie die Wühlmaus.


Flug in den Süden

Einige Vogelarten verbringen den Winter auch in wärmeren, südlichen Regionen und kehren erst im darauffolgenden Frühjahr zurück. Die Gründe für diese Reise sind vielschichtig und angeregt diskutiert. Wichtigste ökologische Ursache ist wahrscheinlich das jahreszeitlich unterschiedliche Nahrungsangebot. So fehlt vielen Arten hierzulande während der Wintermonaten das notwendige Futter. Umgekehrt steigt in den südlichen Gebieten während des Sommers die Zahl der Individuen, womit eine stärkere Konkurrenz und Nahrungsmangel einhergehen.

In unseren Breiten heimische Zugvögel sind beispielsweise Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Wespenbussard, Kuckuck, Rauchschwalbe, Kiebitz, Feldlerche, Nachtigall und Hausrotschwanz.

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