Eleganter Charaktervogel
Der Weißstorch im Porträt
Weißstorch (Foto: Frank Derer)
Besonders auffällig sind beim Weißstorch der lange, kräftige rote Schnabel und die ebenfalls roten, hoch aufragenden Beine. Häufig sieht man Störche aufrecht in den Wiesen stehen oder langsam durch das Gras schreiten, wenn sie nach Nahrung suchen.
Im Flug sind Weißstörche besonders gut zu erkennen: Neben ihrer markanten Färbung und den leicht „fransig“ wirkenden Flügelspitzen strecken sie den Hals weit nach vorn und die Beine gerade nach hinten. Männchen und Weibchen sehen einander sehr ähnlich; das Weibchen ist lediglich etwas kleiner, und der Schnabel kann etwas weniger kräftig ausfallen. Ein ausgewachsener Weißstorch wiegt zwischen 2,5 und 4,5 Kilogramm.
Wie verhält sich der Weißstorch?
Störche sind tagsüber aktiv und vor allem morgens und in den Abendstunden in Wiesen, auf Äckern oder entlang kleiner Gewässer zu beobachten. In der Luft sind sie wahre Meister des Segelflugs: Mit weit ausgebreiteten Flügeln kreisen sie geschickt in der Thermik, um Höhe zu gewinnen. Längere Strecken legen sie seltener mit kräftezehrendem Flügelschlag zurück; dieser wird immer wieder durch kurze Segelphasen unterbrochen.
Storchenpaare bleiben oft jahrzehntelang demselben Horst treu – so nennt man das große Nest der Störche. Revierkämpfe um diese Nistplätze können heftig ausfallen. Beide Partner bauen oder verbessern ihren Horst gemeinsam. Im Laufe der Jahre können solche Bauten mehrere Meter hoch und tonnenschwer werden.
Wie “sprechen” Weißstörche miteinander?
Für menschliche Ohren ist die „Sprache“ der Weißstörche zwar sehr charakteristisch, aber wenig abwechslungsreich. Weißstörche rufen oder singen nicht im klassischen Sinn. Die wichtigste Lautäußerung ist das laute Klappern mit dem Schnabel – etwa bei der Paarbegrüßung oder zur Verteidigung des Nestes. Nur selten lassen Störche ein leises Zischen hören.
Wie die meisten Tierarten verfügen Störche zudem über eine ausgeprägte Körpersprache, mit der sie durch Körperhaltung und Gefiederstellung sehr differenziert ihr Befinden und ihre Absichten zeigen.
Was fressen Weißstörche?
Weißstörche sind opportunistische Jäger und fressen eine Vielzahl von Kleintieren: Regenwürmer, Insekten, Schnecken, Frösche, Eidechsen, Schlangen, Mäuse, Maulwürfe, Ratten, Fische und gelegentlich auch Aas. Täglich benötigt ein Storch etwa ein Siebtel seines Körpergewichts an Nahrung, also im Durchschnitt rund 500 Gramm (bei einem Körpergewicht von 3,5 Kilogramm). Seine Beute fängt der Storch meist am Boden oder watend im flachen Wasser.
Wie ziehen Störche ihre Jungen auf?
Im Frühling kehren beide Geschlechter leicht zeitversetzt in die Brutgebiete zurück, das Männchen meist zuerst. An geeigneten Nistplätzen können mehrere große Storchennester dicht beieinanderstehen. Die Brut beginnt etwa Anfang April, das Gelege enthält 3 bis 5, selten bis zu 7 Eier, die von beiden Eltern 30 bis 33 Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel bleiben 58 bis 64 Tage im Nest. Störche werden im Durchschnitt 8 bis 10 Jahre alt, doch es wurden auch echte „Methusalems“ von bis zu 35 Jahren berichtet.
Wie und wohin zieht der Weißstorch im Winter?
Als Langstreckenzieher überquert der Storch das Mittelmeer auf zwei Hauptrouten (Link setzen): über Gibraltar nach Westafrika oder über den Bosporus und das Niltal nach Ostafrika. Junge Störche ziehen meist ein bis zwei Wochen vor den Altvögeln los. Für die Strecken von bis zu 10.000 Kilometern benötigen sie je nach Witterung und Nahrungsangebot etwa einen bis anderthalb Monate. Ab Ende Februar und Anfang März kehren die ersten Vögel zurück. Infolge milder Winter bleiben jedoch zunehmend mehr Störche in Südeuropa oder verlassen Deutschland sogar gar nicht mehr.
Wo kommen Weißstörche vor und wie entwickelt sich der Bestand?
Der Weißstorch ist in Europa, Nordafrika sowie in West- und Zentralasien verbreitet. Deutschlandweit zählte der NABU 2024 mehr als 13.000 Brutpaare, mit Verbreitungsschwerpunkten im Südwesten und Nordosten des Landes. Nach starker Dezimierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steigen die Zahlen seit den 1980er-Jahren wieder deutlich an. Dazu tragen auch Schutzmaßnahmen wie die Renaturierung von Feuchtwiesen und eine extensivere Landwirtschaft bei, in jüngerer Zeit zudem die Errichtung „vogelfreundlicherer“ Stromleitungen.
Storchenstationen wie der Storchenhof in Loburg leisten zudem wertvolle Arbeit bei der Aufzucht und Pflege erkrankter oder verletzter Störche. Bedroht wird die Art weiterhin durch Lebensraumverlust, Trockenperioden, Kollisionen mit Windkraftanlagen und unzureichend geschützte Stromleitungen. Der Erhalt strukturreicher Kulturlandschaften sowie ein internationaler Schutz entlang der Zugrouten bleiben daher für den Fortbestand der großen Vögel entscheidend.
