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Vogel des Jahres 2027: Wer bekommt Ihre Stimme in Sachsen-Anhalt?

Wahl Vogel des Jahres 2027

Wahl Vogel des Jahres 2027

Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper oder Wasseramsel: Fünf sehr unterschiedliche Vogelarten stehen in diesem Jahr zur Wahl zum „Vogel des Jahres 2027“. Mit welchen Geschichten bewerben sich die Kandidaten?

Seit dem 8. September läuft die öffentliche Wahl zum Vogel des Jahres 2027. Bis zum 15. Oktober 2026 um 11 Uhr können Sie abstimmen. Alle fünf Kandidaten kommen auch in Sachsen-Anhalt vor – allerdings unter sehr unterschiedlichen Bedingungen.

Manche haben verlorenes Terrain zurückerobert, andere geraten trotz weiter Verbreitung zunehmend unter Druck. Und manche sind so eng an einen bestimmten Lebensraum gebunden, dass dessen Zustand über ihre Zukunft entscheidet.


Vogel des Jahres 2027

Entdecke den aktuellen Spitzenreiter und stimme jetzt beim NABU ab!

Jetzt abstimmen!

Der Kolkrabe in Sachsen-Anhalt: Rückkehr eines lange Verfolgten

Kolkrabe

Kolkrabe, Foto: Christoph Kasulke

Dass man heute in Sachsen-Anhalt wieder vielerorts Kolkraben beobachten kann, war lange keine Selbstverständlichkeit. Über Jahrhunderte wurden die großen schwarzen Vögel verfolgt und aus vielen Regionen verdrängt.

Zu den Landschaften, die der Kolkrabe bei seiner Wiederausbreitung als erstes erreichte, gehörten der Fläming und die Dübener Heide. In der Thielenhaide wurde 1975 eine der frühen Bruten im Süden der damaligen DDR festgestellt. Am Petersberg nördlich von Halle brütete die Art nach mehr als hundertjähriger Abwesenheit ab 1980 wieder. Heute gehört der Kolkrabe in geeigneten Landschaften Sachsen-Anhalts wieder ganz selbstverständlich zur Vogelwelt.

Dabei braucht er keineswegs unberührte Wildnis. Sichere Brutplätze und eine abwechslungsreiche Umgebung mit ausreichendem Nahrungsangebot reichen dem anpassungsfähigen Allesfresser oft aus.


„Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

Der Wahlslogan spielt auf eine der bemerkenswertesten Eigenschaften des Kolkraben an. Rabenvögel gehören zu den intelligentesten Vögeln überhaupt. Kolkraben können Artgenossen individuell unterscheiden, sich soziale Beziehungen über lange Zeit merken und berücksichtigen beim Verstecken von Nahrung sogar, ob sie dabei beobachtet wurden.

Diese Fähigkeiten helfen ihnen in einem ausgesprochen komplexen Sozialleben. Sie kooperieren miteinander, bilden Beziehungen und müssen sich in wechselnden Gruppen zurechtfinden.

Dass ausgerechnet ein so lernfähiger und sozialer Vogel lange als „Schädling“ verfolgt wurde, gehört zur problematischen Geschichte unseres Umgangs mit Rabenvögeln. Seine Rückkehr nach Sachsen-Anhalt zeigt aber auch: Wenn Verfolgung endet und Lebensräume erhalten bleiben, können Arten verlorenes Terrain zurückgewinnen.


Kraniche in Sachsen-Anhalt: Mehr Brutpaare, neue Lebensräume

Kranich

Kranich, Foto: Christoph Kasulke

Noch vor wenigen Jahrzehnten konzentrierten sich brütende Kraniche vor allem auf den Norden und Osten Sachsen-Anhalts. Inzwischen haben sie ihr Brutgebiet deutlich erweitert. Neben klassischen Feuchtgebieten werden mittlerweile sogar Bergbaufolgegewässer und ehemalige Abbaugebiete genutzt.

Besonders gute Bedingungen bieten weiterhin wasserreiche Landschaften wie der Drömling und Teile der Altmark. Wie erfolgreich die Art derzeit ist, zeigen die jüngsten landesweiten Zahlen: 2024 waren in Sachsen-Anhalt 1.348 Brutplätze bekannt, 1.100 waren von Kranichpaaren besetzt.

Im Herbst wird das Land zusätzlich zum wichtigen Rast- und Durchzugsgebiet. Dann sammeln sich große Trupps auf Äckern und Grünland und übernachten gemeinsam an geschützten Gewässern. Gerade im Nordosten des Bundeslands im Elbe-Havel-Winkel sowie im Südwesten am Helmestausee können dabei beeindruckende Ansammlungen entstehen.


„Allzeit nasse Füße!“

Der Wahlslogan klingt vergnüglich, beschreibt aber eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Kranichbrut.
Kraniche bauen ihr Nest am Boden, gern in Mooren, Bruchwäldern, Verlandungszonen und anderen Feuchtgebieten. Wasser rund um den Nestplatz bietet Schutz. Trocknet die Umgebung dagegen aus, gelangen Füchse oder Wildschweine leichter zum Gelege.

Deshalb ist der positive Bestandstrend kein Grund, beim Lebensraumschutz nachzulassen. Moore, Feuchtwälder und nasse Niederungen wurden über lange Zeit entwässert; zunehmende Trockenperioden verschärfen das Problem zusätzlich.

„Allzeit nasse Füße!“ heißt deshalb auch: Wasser in der Landschaft halten. Davon profitieren neben dem Kranich unzählige weitere Tier- und Pflanzenarten – und nicht zuletzt wir Menschen.


Die Mehlschwalbe: In Sachsen-Anhalt oft zu sehen – und doch nicht selbstverständlich

Mehlschwalbe auf einer grünen Wiese

Mehlschwalbe, Foto: Mathias Schäf

Die Mehlschwalbe ist ein gutes Beispiel dafür, warum die häufige Beobachtung noch lange nicht bedeutet, dass eine Vogelart als ungefährdet gelten kann. Ornithologen in Sachsen-Anhalt beschreiben die Mehlschwalbe als im gesamten Land verbreiteten Brutvogel. Ihre starke Bindung an menschliche Siedlungen macht sie in Städten ebenso wie in Dörfern sichtbar. Der Kulturfolger nutzt aber auch Bauwerke außerhalb von Ortschaften – zum Beispiel die Brücken an der Mulde bei Dessau – für seinen Nestbau.


„Auf gute Nachbarschaft!“

Mit ihrem Wahlslogan „Auf gute Nachbarschaft!“ wirbt die Mehlschwalbe für mehr Möglichkeiten zum Nestbau an Gebäuden. Denn moderne Bauten bieten oft nicht mehr die von oben schützenden Dachkanten und geben mit ihrer geglätteten Wandstruktur den von der Schwalbe an die Hauswände geklebten Lehmnestern nicht mehr genug Halt. Zudem erschweren versiegelte Flächen die Suche nach dem Baustoff für die Nester, und als Insektenjäger ist die Mehlschwalbe durch das Insektensterben zusätzlich unter Druck geraten.

Nicht nur in Sachsen-Anhalt beobachten Vogelkundler daher bei der Mehlschwalbe in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Rückgang. Die Art wird zwar derzeit noch nicht als gefährdet eingestuft, die weitere Entwicklung ihres Bestands sollte nach Einschätzung der Experten aber genau beobachtet werden.

Wer die Mehlschwalbe zum Vogel des Jahres wählt, stimmt deshalb für lebendige Dörfer und Städte – und für ein wenig mehr Toleranz unter dem Dach.


Trauerschnäpper in Sachsen-Anhalt: Waldbewohner mit Klimasorgen

Trauerschnäpper in Nahaufnahme

Trauerschnäpper, Foto: Jens Richter

Der Trauerschnäpper ist in Sachsen-Anhalt zahlenmäßig deutlich häufiger als in vielen anderen Teilen Deutschlands. Trotzdem haben auch hier über die letzten Jahrzehnte die Bestände deutlich abgenommen.

Als Höhlenbrüter ist der Trauerschnäpper an geeignete Baumhöhlen oder Nisthilfen gebunden. Besonders gut zu beobachten ist er etwa in der Dübener Heide, dem Beetzendorfer Bruchwald oder am Tangelnschen Bach in der Altmark. Aber auch in anderen lichten Waldlandschaften der Altmark trifft die Art gut dokumentiert. Wichtige Anforderungen an seinen Lebensraum sind geeignete Baumhöhlen oder künstliche Nistkästen und ein ausreichendes Angebot an Insekten, die der Trauerschnäpper geschickt auch in der Luft fangen kann.

Für seine Wahl zum Vogel des Jahres wirbt der Trauerschnäpper mit dem Slogan „Mach Tempo fürs Klima!“ Das hat einen besonderen Hintergrund: Der Trauerschnäpper verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara und muss seine Rückkehr nach Europa mit dem richtigen Zeitpunkt für Brut und Nahrungsangebot abstimmen. Verschieben sich der Beginn des Frühlings und das Angebot an Insekten immer weiter nach vorn, kann der Langstreckenzieher seinen Zeitplan nicht so schnell daran anpassen. Der Trauerschnäpper ist also eine der leidtragenden Vogelarten des sich immer stärker beschleunigenden Klimawandels.


„Mach Tempo fürs Klima!“

Für seine Wahl zum Vogel des Jahres wirbt der Trauerschnäpper mit dem Slogan „Mach Tempo fürs Klima!“ Das hat einen besonderen Hintergrund: Der Trauerschnäpper verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara und muss seine Rückkehr nach Europa mit dem richtigen Zeitpunkt für Brut und Nahrungsangebot abstimmen. Verschieben sich der Beginn des Frühlings und das Angebot an Insekten immer weiter nach vorn, kann der Langstreckenzieher seinen Zeitplan nicht so schnell daran anpassen. Der Trauerschnäpper ist also eine der leidtragenden Vogelarten des sich immer stärker beschleunigenden Klimawandels.


Die Wasseramsel: Taucherin in den Harzbächen

Wasseramsel stehend auf einem Holzstamm

Wasseramsel, Foto: Miriam Link

Wer in Sachsen-Anhalt eine Wasseramsel beobachten möchte, hat im Harz die besten Chancen. Die Art ist eng an schnell fließende, strukturreiche Gewässer gebunden. Bode und Selke gehören ebenso zu ihren Lebensräumen wie weitere naturnahe Bachläufe des Harzes.

Die Wasseramsel ist an dieses Leben erstaunlich gut angepasst. Als einziger heimischer Singvogel sucht sie regelmäßig unter Wasser nach Nahrung. Dort erbeutet sie zwischen Steinen vor allem Larven von Wasserinsekten. Kräftige Beine, kurze Flügel und ein dichtes Gefieder helfen ihr bei der Nahrungssuche in kalten, schnell strömenden Bächen.

Auch ihr Nest baut die Wasseramsel meist unmittelbar am Wasser – beispielsweise in Fels- und Mauernischen oder unter Brücken.


„Klarer Bach, klarer Fall!“

Der Wahlslogan bringt das Naturschutzthema der Wasseramsel auf den Punkt – wobei klares Wasser allein noch keinen guten Wasseramselbach ausmacht. Sie braucht sauerstoffreiches, strömendes Wasser, einen abwechslungsreichen Grund aus Steinen und Kies und genügend Wasserinsekten.

Werden Bäche begradigt, Ufer stark verbaut oder Gewässer belastet, gehen genau diese Strukturen und Nahrungsgrundlagen verloren. Im Harz steht die Wasseramsel damit stellvertretend für ein ganzes Ökosystem. In naturnahen Fließgewässern leben neben ihr beispielsweise Groppe, Bachneunauge und zahlreiche spezialisierte Insektenlarven.

„Klarer Bach, klarer Fall!“ ist deshalb vor allem ein Plädoyer für lebendige Bäche: Gewässer, die strömen und sich entwickeln dürfen und deren Ufer nicht überall festgelegt sind.


Fünf Vögel, fünf Naturschutzthemen

Wer genauer hinschaut, findet hinter jedem Kandidaten eine andere Geschichte.

Der Kolkrabe zeigt, dass eine lange verfolgte Art zurückkehren kann. Beim Kranich geht es um Wasser, Moore und Feuchtgebiete. Die Mehlschwalbe braucht unsere Gebäude – und unsere Bereitschaft, ihre Nester zu dulden. Der Trauerschnäpper gerät durch den immer früher einsetzenden Frühling unter Zeitdruck. Und die Wasseramsel steht für naturnahe, lebendige Fließgewässer.

Fünf Vögel stehen zur Wahl – und mit ihnen fünf gute Gründe, über den Zustand unserer Landschaften nachzudenken.


Jetzt abstimmen: Wer wird Vogel des Jahres 2027?

Bis zum 15. Oktober 2026 um 11 Uhr ist das virtuelle Wahllokal geöffnet. Pro E-Mail-Adresse kann eine Stimme abgegeben werden.

Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper oder Wasseramsel – wem geben Sie Ihre Stimme?


Vogel des Jahres 2027

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