Sachsen-Anhalt.NABU.de Themen FFH / Natura 2000 Verkauf der Schmoner Hänge
Türkenbund und Neuntöter in Gefahr
Orchideen und seltene Ackerwildkräuter in Gefahr
Die BVVG versteigert ein Naturschutzgebiet im Saalekreis zum Höchstpreis
Die Sperbergrasmücke erreicht an den Schmoner Hängen ihre westliche Verbreitungsgrenze
10. Oktober 2012 - Bei Botanikern und besonders Orchideenfreunden sind die „Schmoner Hänge“ im Saalekreis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Steilhänge bilden den Übergang von der intensiv ackerbaulich genutzten Querfurter Platte zum Nebraer Unstruttal. Bereits 1994 wurde das Areal als Naturschutzgebiet „Schmoner Busch, Spielberger Höhe und Elsloch“ gesichert.
Die Vogel-Nestwurz ist ein gebietstypische Waldorchidee.
Aufgrund der Steillagen und des anstehenden Muschelkalks entwickelte sich über die Jahrhunderte durch extensive landwirtschaftliche Nutzung eine einmalige Kulturlandschaft aus lichten Eichen- und Lindenwäldern, Streuobstwiesen, Hohlwegen, Trockengebüschen und orchideenreichen Trocken- und Steppenrasen.
Der großen Bedeutung des Gebietes für den Naturschutz wegen wurde es schließlich auch nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in das EU-Schutzgebietssystem „Natura 2000“ integriert. Damit übernahm das Land Sachsen-Anhalt die Verantwortung, einen günstigen Zustand des Gebietes dauerhaft zu gewährleisten.
Dass die reiche Tier- und Pflanzenwelt bis heute überleben konnte, ist besonders der weiterhin geförderten extensiven Schafbeweidung sowie verschiedenen Projekten zu verdanken, die sich den Erhalt der reichen Pflanzenwelt zum Ziel gesetzt haben. In den vergangenen Jahren wurden beispielsweise vom Landschaftspflegeverband gezielt seltene Ackerwildkräuter gefördert, dies es im Saalereis nur noch hier zu bestaunen gibt und die in der modernen Landwirtschaft üblichen Pestizideinsätze nicht überleben würden.
Der Neuntöter findet an den Schmoner Hängen ideale Lebensbedingungen.
Um die Naturidylle vor Eingriffen zu schützen, erwarb die Stiftung Nationales Naturerbe des NABU bereits vor Jahren einige der sich im Bundesvermögen befindlichen Teile des NSG zum Selbstkostenpreis. Die als Treuhand-Nachfolgerin mit der Veräußerung bundeseigener Flächen betraute Bodenverwertungs- und Verwaltungs-GmbH (BVVG) übertrug dem NABU aber nur einige Splitterflächen, während größere lukrativere Flächen unbemerkt im Besitz der BVVG verblieben.
Heute, nach Ende des Verkaufsstopps in Naturschutzgebieten, bietet die BVVG plötzlich rund 45 Hektar dieser Flächen über ihre Internetplattform zum Kauf an. Das Luftbild unten zeigt einen Ausschnitt der Schmoner Hänge mit dem Verkaufslos bei Grockstädt/Spielberg.
Besonders makaber: Weder das Land, noch die Kommunen oder der NABU als anerkannter Naturschutzverband – welcher die Flächen naturschutzgerecht nutzen und pflegen würde – haben ein Vorkaufsrecht. Dies bestätigte dieser Tage auch Sachsen-Anhalts Umweltminister Aeikens auf Anfrage in einem Schreiben an den NABU. Damit ist klar: Bis zum 30. Oktober dieses Jahres werden diese Flächen zum Höchstgebot quasi verhökert.
Es ist zu befürchten, dass ein künftiger Flächenbesitzer angesichts des zu erwartenden hohen Kaufpreises weniger Naturschutz- als vielmehr wirtschaftliche Interessen haben wird. NABU-Sprecherin Annette Leipelt: „Für uns ist es schockierend, dass mehr als 20 Jahre nach der politischen Wende immer noch so unsensibel mit dem Tafelsilber der deutschen Einheit umgegangen wird. Naturschutzgebiete zum Höchstpreis an Private zu verkaufen, halten wir für das absolut falsche Signal.“
Auch im Schutzgebiet sind Kahlschläge von bis zu 50 mal 100 Metern Größe und intensiver Ackerbau erlaubt. Damit ist der Orchideen- und Ackerwildkrautreichtum künftig akut gefährdet. Ebenso steht die Fortführung der bestehenden Pachtverträge mit den in der Region ansässigen Schäfereibetrieben auf wackligen Füßen.
Die Türkenbund-Lilie wächst in den trocken-warmen Waldpartien des Gebiets.
Der NABU fordert die BVVG auf, die Gewinninteressen beim Verkauf der Flächen in den Hintergrund zu rücken und nur einen Käufer zu akzeptieren, der ausschließlich den prioritären Naturschutzzielen im Gebiet verpflichtet ist. Zudem muss Kommunen, Landkreis, Land oder einem anerkannten Naturschutzverband das Vorkaufsrecht eingeräumt werden, um dieses Naturparadies langfristig zu sichern.
Für Rückfragen:
Annette Leipelt
NABU Sachsen-Anhalt
Tel. 03 91-5 61 93 50
Kurzes Schutzgebietsporträt beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt
Gebietsinfo mit Karte in der offiziellen Natura-2000-Datenbank

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